p i c n i c -
myspace
news
contact
about
links
Ein Abend mit der Queen...
film*sound_S*track_S
Goldene Stadt und ebensolche Stimme? CD TIPP!!!
Die spannendste Popmusik kommt häufig von Musiker_Innen, deren Wurzeln ganz woanders liegen. Sabine Marte (SV Damenkraft), Markus Marte (Mose) und Oliver Stotz (Gustav & Band) hatten und haben nebst anderen musikalischen Projekten schon Standbeine als Video- und Performance-Künstlerin, Toningenieur bzw. Gitarrist, ehe sie sich 2005 zum Trio Pendler zusammentaten und damit begannen, eine eigene Spur zwischen Folk, Pop und Elektronik zu ziehen. Die Liebe ist, neben Furcht und Schrecken und anderen seelischen Ausnahmezuständen, ein Thema, das sich durch die neun Songs zieht.
Die Texte von Pendler sind bildreich, die Klänge fügen weitere Striche, Farben und Kontraste hinzu. Nicht von ungefähr bezeichnen Marte, Marte & Stotz die Videos zu ihren Stücken als das vierte Bandmitglied. Wobei die Songs für sich manchmal schon richtige Filme darstellen. Welche andere Gruppe käme auf die Idee, einen Song über David Lynchs „Inland Empire“ zu schreiben und darin eine Art Nacherzählung der verwirrenden Filmbilder zu versuchen? Was allenfalls theoretisch interessant wäre, würde das Stück nicht auch ohne erklärende Untertitel als rhythmisch delikater Electro-Dub einiges hermachen. Im daran anschließenden „One Step Away“ steigt die Erzählerin dann selbst in den Film hinein: „I wanna walk into – into a horror film – and then I speak to him.“ Die Struktur des Stücks folgt dabei den Bildern, eine Partyszene wird mit einem angedeuteten Funk-HipHop-Rhythmus unterlegt. Und wieder gilt: Es funktioniert auch, wenn man beim Hören nicht auf den Text und die interdisziplinären Verweise und Anspielungen achtet.
Mehr davon hat bei Pendler jedoch zweifellos der, der genauer hinhört. Im finalen „We Went“ überlässt das Trio die Vocals weitestgehend Schnippseln aus Filmen.
starring: Maria Doyle Kennedy - James Harries & guest
Freitag 29. 1. 2010 20Uhr
Tickets: Jugendinfo 15€, Abendkassa 17€
HAUS der MUSIK
Seilerstätte 30. A1010 Wien
Auftakt zu einer neuen Reihe die sich der Berührungsfläche von Musik und Film widmet,
Videobeamer and Cinemascope-Sound, "Musik und Gesang lassen die Bilder atmen",
Maria Doyle Kennedy aus Dublin ist was man ein Multitalent nennt: Schauspielerin, Sängerin, Labelmanagerin und Mutter von vier Kindern!
Neben Auftritten in Alan Parker's „The Commitments" wirkte zuletzt in der preisgekrönten TV Serie „The Tudors" (arte, Pro7) mit.
Markante raue Stimme, mal rockige Diva, dann schillernde Chansonniere mit Folkaffinität.
Das Jahr Begann für Doyle Kennedy mit ihrem zweiten IFTA Award (irischer Film und Fernsehpreis) vielversprechend.
Nein nicht Karel Gott mit Biene Maja Visuals sondern Englands inoffizieller Champion der "100.000 Volt Performanz" ist der Co-Star der ersten Ausgabe von >film-sound_S-track_S<
James Harries der seit mehr als 15 Jahren in Prag seine Zelte aufgeschlagen hat ist einer der eindruckvollsten Performer im Singer-Songwriter und Rock Genre des letzten Jahrzehnts - pure Energie!
PENDLER – WE WENT FROM DESTRUCTION (Karate Joe/Hoanzl)
Mit „Black Neoprene“, einem der Höhepunkte auf ihrem an Glanzlichtern keineswegs armen zweiten Album „We Went From Destruction“, beweisen die drei Musiker_Innen, wie weit ihr Flirt mit dem Popsong – der wahrscheinlich weit mehr als einen Flirt, längst eine richtige Leidenschaft darstellt – schon gediehen ist.
Sie sind aufgrund ihres Backgrounds allerdings zum Glück davor gefeit, in alte Popsong-Klischees zurückzufallen. Wer Pendler hört, muss kein persönliches Herzeleid der Macher ertragen, keine schlecht getarnten eigenen Erfahrungen in den Texten, keine lauwarmen Gefühle. Pendler sind zu groß für die Liebe. Oder?
Oder vielleicht gerade nicht. „I’m too huge for love“ lautet der große Satz dieser Platte. Der, der hängen bleibt. Bei dem man nichts dagegen hätte, wenn ihn junge Leute auf T-Shirts vor sich her tragen würden. Freilich: Wenn etwas so laut hinausposaunt wird, trifft wohl das Gegenteil mindestens genauso zu.
Noch einmal das ergreifende „Black Neoprene“ (Text: Gerda Klingenböck), in dem ein Mann nach dem Sinken seines Schiffs um sein Leben schwimmt. Kein Land in Sicht, zieht er Bilanz: „I don´t wail for my army / Those fine spanish ships / Not the men not the failure / So naked and stripped / Cause without my bold ships / I will take to the stream / To remember your love / Nobody has seen.” Der Tod klopft schon an. Und wenn nicht der Gedanke an die Liebe, die nicht mehr sein soll, dann wärmt den Schwimmer sein Neoprenanzug: „There is nothing so bad / About black neoprene / It keeps you warm / When you have miles to swim.” Gänsehaut.
Dem zugrunde liegt die Frage: Sind wir wirklich wir? Sind wir eine Band oder nicht doch eher aus 100.000 Ideen, Einflüssen und gesehenen Bildern zusammengesetzt? „Who is you? / Who are we? / We gather around a microphone / Like having something in common.“ Diese Sätze könnte so übrigens auch die Log Lady in „Twin Peaks“ gesagt haben.
Die Musik von Pendler, ein experimenteller, eigenständiger, mal gemächlich fließender, mal sehr dynamischer Hybrid aus Folk, Pop und Elektronik ist schön anzuhören, fantastisch arrangiert von Oliver Stotz und so sicher in sich selbst ruhend, dass einem kaum eine „Klingt so ähnlich wie...“-Referenzkrücke einfallen will. Von „The Notwist“ vielleicht mal abgesehen, aber für diesen Vergleich braucht sich nun wirklich niemand schämen.
Genug der Worte.
Schicke jemand diese Platte bitte schleunigst an David Lynch.
Licht aus, Ton ab.
(Sebastian Fasthuber)